Für den sicheren Pipelinebetrieb spielt der passive Korrosionsschutz der Rohrleitungen eine wesentliche Rolle. Sowohl im Schweißnahtbereich beim Neubau als auch bei Reparaturarbeiten an der Pipeline muss die Rohrleitungsoberfläche vor dem Aufbringen des passiven Korrosionsschutzsystems fachgerecht vorbereitet werden, um dessen dauerhafte Funktionstüchtigkeit zu gewährleisten. In der Regel kommt hierfür das sogenannte Sandstrahlen zum Einsatz. Für kleinere Flächen und spezielle Einsatzfälle bietet der Werkzeughersteller MONTI seit einigen Jahren ein handliches Oberflächenbearbeitungsgerät für den Baustelleneinsatz an, den Bristle Blaster®. Über die praktischen Erfahrungen im Einsatz und die technischen Details des Gerätes sprach die Redaktion der 3R mit André Prytamannyi, Projektleiter bei der Augel GmbH, und Uwe Boensch, National Sales Manager bei der MONTI - Werkzeuge GmbH.


Eine Alternative zum Sandstrahlen – Bristle Blaster

Einweisung und Beratung vor Ort gehört zum Kundenservice von MONTI

3R: Herr Boensch, die MONTI - Werkzeuge GmbH feiert in diesem Jahr 30-jähriges Firmenjubiläum. Wie begann die Unternehmensgeschichte und wie kam es zur Entwicklung des Bristle Blasters?

Uwe Boensch

Uwe Boensch

Uwe Boensch: Die Firma MONTI begann vor 30 Jahren mit der Entwicklung eines flexiblen Bürstbandsystems für den Automotivbereich. Die patentierte Technologie diente der Entfernung von Unterbodenschutz, Lack- und Korrosionsresten. Mit dem MBX brachte das Unternehmen dann 1995 die erste eigene pneumatisch betriebene Maschine auf den Markt. Vorteil der patentierten Technologie war und ist, dass bei der Arbeit keine Reibungswärme erzeugt wird und die zu entfernenden Produkte, wie z. B. Unterbodenschutz, nicht verkleben. In 2006 entwickelte Werner Montabaur dann auf Basis des MBX den Bristle Blaster, der 2007 erstmalig auf der ADIPEC-Messe in Abu Dhabi dem Fachpublikum vorgestellt wurde. Das Gerät hat sich schnell in vielen industriellen Arbeitsbereichen etabliert – überall dort, wo Stahloberflächen für spätere Beschichtungsarbeiten vorbereitet werden müssen. Ob im Automotiv-, Anlagenbau-, Schiffsbau-, Pipelinebereich oder bei der Sanierung von Offshoreanlagen. Der Erfolg des Bristle Blasters zeigt sich auch darin, dass er mittlerweile in über 80 Länder exportiert wird.

3R: Worin unterscheidet sich der Bristle Blaster von anderen Geräten?

Uwe Boensch: Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass die speziell geformten und geschliffenen Stahldrähte fast senkrecht auf die Oberfläche mit hoher kinetischer Energie aufschlagen, wodurch die anhaftenden Produkte von der Oberfläche entfernt werden. Dabei wird gleichzeitig die gewünschte Oberflächenreinheit und Oberflächenrauheit erzeugt. Die hohe kinetische Energie wird durch das Vorspannen der Drähte über einen Bolzen erreicht. Die Drähte selbst sind in einem Polyamidband verankert. Das Zusammenspiel zwischen Drahtlänge, Drahtdicke, Dicke und Eigenschaften des Polyamidbandes ist sehr komplex. Es hat umfangreiche Entwicklungsarbeit gebraucht, um das optimale Verhältnis zu ermitteln.

3R: Herr Boensch, Sie sind seit vielen Jahren in der Pipelinebranche aktiv tätig und Spezialist im Bereich des passiven Korrosionsschutzes. Wird der Bristle Blaster das Sandstrahlen in Zukunft als Verfahren zur Oberflächenvorbereitung im Pipelinebau ablösen?

Uwe Boensch: Nein, sicher nicht. Der Bristle Blaster ist als Ergänzung zum Sandstrahlen zu sehen. Zurzeit macht der Einsatz des Gerätes bei zusammenhängenden Flächen bis zu 4,5 m2 Sinn. Allerdings bietet sich der Einsatz auch an, wenn z. B. aus Umweltschutzgründen andere Verfahren ausgeschlossen sind. So wurde bei einem Projekt der Open Grid Europe GmbH in 2012 eine DN 1000-Pipeline auf 175 m Leitungsabschnitt komplett mit dem Bristle Blaster saniert, da die Leitungstrasse in einem Vogelschutzgebiet verläuft und das Sandstrahlen der Rohrleitung nicht erlaubt war. Ein weiteres Anwendungsfeld bietet der Bristle Blaster Pneumatic. Das Gerät hat eine ATEX-Zulassung und kann für Arbeiten in Zone 1, wie z. B. an in Betrieb befindlichen Gaspipelines, eingesetzt werden. Eine Weiterentwicklung, die derzeit bei uns in der Testphase ist, wird die wirtschaftliche Bearbeitung größerer Flächen ermöglichen. Erste Praxistests auf der Baustelle werden in Kürze erfolgen.

3R: Worauf ist beim Einsatz des Gerätes in der Praxis zu achten, wie fehlerresistent ist der Bristle Blaster?

Uwe Boensch: Die Nutzung des Bristle Blasters ist im Grunde ganz einfach. Dennoch muss man Grundsätzliches beachten, um die gewünschte Oberflächenreinheit und Oberflächenrauheit von 60 bis 70 μm zu erzielen. Wer gewohnt ist, mit herkömmlichen Schleifgeräten zu arbeiten und das Gerät entsprechend benutzt, erreicht nicht das gewünschte Ergebnis. Der Bristle Blaster muss in einer Linie und nur in einer Richtung von oben nach unten bewegt werden. Ein entsprechender Anpressdruck gewährleistet dann die notwendige Oberflächenrauheit. Die Geräteeinweisung und Schulungen mit dem Bristle Blaster sind daher ein wesentlicher Bestandteil unserer Kundenbetreuung. Aus diesem Grund stellen wir auch den GW 15-Schulungsstätten das Gerät für deren Schulung zur Verfügung.

3R: Herr Prytamannyi, die Augel GmbH arbeitet schon seit Jahrzehnten im Pipeline- und Anlagenbau, u. a. auch im Bereich der Sanierung und Nachumhüllung. Seit wann setzen Sie den Bristle Blaster ein und welche Erfahrungen haben Ihre Mitarbeiter mit dem Gerät gemacht?

Andre Prytamannyi

Andre Prytamannyi

André Prytamannyi: Wir haben die ersten Bristle Blaster vor rund drei Jahren angeschafft und mittlerweile umfangreiche und durchweg positive Erfahrungen mit dem Geräte sammeln können. Das Gerät ist nach kurzer Einweisung einfach und sicher anzuwenden. Die bearbeitete Stahloberfläche ist vergleichbar mit der einer sandgestrahlten Oberfläche. Wir setzen den Bristle Blaster bei Flächen unter 4 m2 ein bzw. bei einzelnen Reparaturstellen auch bis zu Flächen von 6 m2 – hier kommen dann zwei Geräte gleichzeitig zum Einsatz, was aus Arbeitssicherheitsaspekten beim Bristle Blaster kein Problem ist.

3R: Worin sehen Sie die Vorteile gegenüber dem Sandstrahlen?

André Prytamannyi: Zum einen gibt es Projekte, wie Herr Boensch eben schon erwähnt hat, bei denen das Sandstrahlen nicht erlaubt ist, wie z. B. in Naturschutzgebieten. Zum anderen ist der Aufwand beim Einsatz des Bristle Blasters erheblich geringer als beim Sandstrahlen. Dies beginnt bereits bei der Arbeitsvorbereitung. Für das Sandstrahlen benötigt man einen großen Kompressor, das Strahlgerät, das Strahlmittel usw. – damit ist ein Sprinter schon voll und für die Beladung bereits eine Arbeitsstunde verplant. Für den Bristle Blaster benötigt man lediglich einen kleinen Stromgenerator oder eine kleine Kompressoreinheit und den Bristle Blaster-Koffer – auf der Ladefläche nimmt das kaum einen Quadratmeter ein und die Rüstzeit beträgt vielleicht 15 Minuten. Ein weiterer Vorteil zeigt sich während der Arbeiten. Der Aufwand beim Sandstrahlen ist deutlich höher. Angefangen mit der Notwendigkeit, dass aus Arbeitsschutzgründen mit Atemschutzhauben gearbeitet werden muss und in Landschaftsschutzgebieten das Strahlgut aufgefangen und anschließend entsorgt werden muss. Teilweise muss sogar mit Einhausungen gearbeitet werden, was die Kosten der Maßnahme extrem in die Höhe treibt. In unwegsamem Gelände ist das Heranführen des Arbeitsgerätes ebenfalls ein Aspekt – auch hier bietet der Einsatz des Bristle Blasters einen deutlichen Vorteil.

3R: Wie beurteilen Sie Ihre Praxiserfahrungen mit dem Bristle Blaster und gibt es noch einen Wunsch des Kunden an den Hersteller?

André Prytamannyi: Die Qualität der Oberflächenbearbeitung mit dem Bristle Blaster ist hervorragend – vorausgesetzt natürlich, dass man das Gerät richtig bedient. Hier legen wir auch großen Wert auf die Schulung und Qualifizierung unserer Mitarbeiter. Für uns ist der Bristle Blaster eine sehr gute Ergänzung zum Sandstrahlen für die oben genannten Einsatzfelder. Mittlerweile haben wir drei elektrische und zwei pneumatische Geräte im Dauereinsatz. Unsere Mitarbeiter sind von dem Gerät begeistert.

Ein Wunsch für die Zukunft könnte die Vergrößerung der Bearbeitungsfläche unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sein. Insofern warten wir gespannt auf die Praxisergebnisse der aktuellen Entwicklungsarbeiten von MONTI.

3R: Herr Boensch, Herr Prytamannyi, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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